Katharinna Klaus

Betrachtet man die Collagen von Walburga Poeplau, findet man Gegenstände, die einem vertraut sind: Wellbleche, verrostete Metallstücke, Haushaltsgegenstände, Spielzeug, verwaschenes Holz und vieles mehr.

Im Dialog mit scheinbar widersprüchlichen Elementen (wo trifft schon ein abgerissener Koffergriff auf Schleifpapier?) eröffnet sich uns eine neue allumfassende Sichtweise. Es ist die Liebe zu allem scheinbar Gegensätzlichen oder Vergänglichen, ohne die eben nichts Neues entstehen kann: der Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft, politischer oder religiöser Weltanschauung, das Alter und auch der Tod… Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich in der Arbeit von Poeplau selbst ihre spirituelle Ausrichtung, in der alles mit allem in Liebe verbunden ist, offenbart. Das Leben – so auch das Werk von Walburga Poeplau – besteht eben nicht aus der Summe seiner Teile.

Beobachtet man Poeplau bei ihrer Arbeit, so sieht man, wie sie jedes einzelne Element liebe- und respektvoll in die Hand nimmt, es betrachtet und ihm überlässt, mit welchem anderen Fundstück es in Beziehung treten möchte. Sie erlaubt jedem Stück, so zu „sein“, wie es zu ihr gekommen ist: genau so, wie es in seiner „weggeworfenen“, ans Ufer gespülten und veränderten Form zu ihr gelangt ist, darf es auch bleiben und muss nicht angemalt, restauriert, zerstört oder veredelt werden. In der Kombination mit anderem „Schrott“ erstrahlt jedes Element zu neuem Leben, ohne das Alte darin zu zerstören. Ja, es ist die Liebeserklärung von Poeplau an das Leben selbst, das ihr Werk ausmacht! Alles ist im Fluss und vergänglich, nichts kann konserviert werden. Das ganze Leben unterliegt einem Prozess, der niemals abgeschlossen ist. So ist es eben auch in Ordnung, wenn ihre Werke sich nach „Fertig“-Stellung weiterhin verändern dürfen: Gartenskulpturen z. B. können nachrosten, durch Sonne und Witterung ihre Farbe verändern.

Staunend stehen wir vor den Collagen, die uns die ersten Kapitel einer Geschichte erzählen können, während in diesem Moment ein neuer Abschnitt geschrieben wird – das Buch ist noch nicht vollendet, die letzte Seite ist leer…
Köln, November 2011